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„Im stillen Tabernakel in St. Gangolf wollen wir uns begegnen und dort vereint unserer sakramentalen Liebe, unserem Gott und Alles,
Anbetung und Huldigung darbringen“
Mutter Franziska Streitel

Der Jüngere Bruder HERMANN

„DER GUTE BRUDER“

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Hermann, „der gute Bruder“, wie Mutter Franziska ihn nannte, wurde am 1. Februar 1851 in Mellrichstadt geboren. Wie Adam besuchte er das Gymnasium im Augustinerkloster in Münnerstadt und anschließend in Würzburg.

Wie sein älterer Bruder schlug er eine militärische Laufbahn ein, wurde „Oberstleutnant“ in der Armee und nahm wie Adam mit nur 19 Jahren am französisch-preußischen Krieg von 1870/71 teil, dem wichtigsten Konflikt, der in Europa zwischen der Zeit der napoleonischen Kriege und dem Ersten Weltkrieg ausgetragen wurde.

Wir können uns die Sorge der Familie Streitel um ihre beiden entfernten Söhne an der Front kaum vorstellen. Schrecklich nur der Gedanke, dass sie im Kampf verloren gingen, verwundet würden oder - schlimmer noch - unter den Schlägen des Feindes sterben könnten. Wir denken an die Eltern und Schwestern, immer mit angehaltenem Atem, gequält bei jedem Klopfen an der Haustür, welches das gefürchtete Telegramm mit der Nachricht vom Tod ihrer geliebten Adam und Hermann verkünden konnte: Bruchstücke aus der Familiengeschichte, die unterzugehen drohen, die aber das Leben der Familie Streitel in jenen Jahren der Ungewissheit und  der Umwälzungen prägte.

Von der Front zurückgekehrt, heiratete Hermann Karolina Wieserner, geboren am 7. Juli 1862 in Nürnberg. Aus ihrer Ehe wurden zwei Kinder geboren: Oskar, am 2. November 1883, und Hermann, am 6. Februar 1885. Letzterer war wie sein Vater und Onkel angeworben und zum Hauptmann befördert worden und fiel am 15. Juli 1918 im Krieg an der französischen Front.

Dieses gefürchtete Telegramm kam nur mit Verspätung, aber am Ende war es gekommen, um die Streitels in Trauer zu versetzen. Der verzweifelten Familie wurde sogar der Trost eines nahen Grabes versagt, denn der junge Hauptmann wurde auf dem deutschen Soldatenfriedhof St. Etienne à Arnes in den Ardennen beigesetzt.

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Aus Fügung, wenn man so sagen kann, hoffend, dass ein Vater nie um den Tod seines Sohnes trauern muss, war der Vater Hermann zwei Jahre zuvor, am 6. März 1916, im Garnisonslazarett in München gestorben, genau am Tag der Aufnahme in den Himmel von Mutter Franziska, fünf Jahre zuvor.

Mutter Franziska hatte große Zuneigung zu Hermann, ebenso wie zu Adam: „Ich werde recht beten“, schrieb sie am 21. Juli 1897 an Hedwig, „damit kein Missgeschick den lieben Bruder (Hermann) treffe. Das Heil meiner Brüder ist mir wie eine heilige Sache, für die ich vor Gott in Gebet und Opfer eintrete“.

BRÜDERLICH NAHE UND EDELMÜTIG

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Ihr Gefühl war vereint mit der einzigartigen Anerkennung für die Sorge und Aufmerksamkeit, die Hermann Hedwig entgegenbrachte: „Es tröstet mich sehr“, schrieb sie an ihre Schwester, „dass Hermann Dir brüderlich nahe steht, möge der Herr ihn und seine Familie segnen, ich grüsse ihn herzlich.“. Auf der anderen Seite drückte Hermann mit Offenherzigkeit seine Nähe zu seiner Familie aus, wie Mutter Franziska in Hedwig gegenüber in Erinnerung ruft: ​“Hermann hat mir seine Freude ausgedrückt, weil Du bei ihm warst; in ein paar Wochen werde ich ihm für das viele Gute, das er Dir getan hat, danken. Fürs Erste Grüße und Dank ihn und seine Familie“.

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​Aufgrund dieser einfachen und tiefen familiären Beziehungen drückt Mutter Franziska, wie bei Hedwig, ihr Wohlwollen nicht nur Hedwig gegenüber, sondern auch durch kleine Gesten der Aufmerksamkeit aus: „...die Briefmarken für Hermann“, ein Brief, um ihm herzlich zu danken, eine Anmerkung der Bewunderung für seine Sensibilität, für seine Güte und den Edelmut seiner Seele: „Es ist sehr tröstlich für mich, dass Hermann so edel von anderen denkt; bitte grüße ihn und seine Familie“.

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Was jedoch einmal mehr an Maria Franziska auffällt, ist, dass sie, zwar ihre Familie zärtlich liebt und dabei deutlich lebendige Gefühle zum Ausdruck bringt; trotzdem lässt sie sich durch sie nicht zurückhalten, kreist nicht um die Bewegtheit ihres Herzens auf der Suche nach vorübergehender Befriedigung, sondern strebt immer nach dem Himmel, im Bewusstsein, dass nur die Ewigkeit bleibender Freude in Fülle schenken kann:

„Sein edles Herz als Bruder“, so schreibt sie über Hermann, „verdient Anerkennung von oben, und er wird sie sicher für sich und seine Familie erhalten. Wenn wir mit Beharrlichkeit beten, wird er auch einen guten Platz im Jenseits erhalten“.

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„Geliebte Schwester!...
Hermann wird sich erfrischen, indem er in kindlicher Pietät die Wohnorte des seligen Vaters besucht, und sein edles Kinderherz wird manches Gefühl der Wehmut empfunden haben, als er der Vergangenheit gedachte. So ein Gedanke an die Hinfälligkeit alles Irdischen ist oft ein Gnadenstrahl für unsere arme Seele. Dass Hermann so edelmütig anderer gedenkt, ist für mich sehr tröstlich; ich bitte, Ihn und seine Familie zu grüßen“.
Mutter Franziska Streitel

Mutter Franziska zwischen
Ewigkeit und Zeit

Der Gedanke an die Vergänglichkeit der irdischen Dinge ist ein Gnadenstrahl!

In einem Brief vom 4. September 1898 an die Schwester Hedwig...

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