
Die Jahre der Prüfung
DIE VERFOLGUNG, EINE "BESSERE GARANTIE"
Jahr 1895. Mutter Franziska ist nach wie vor die “entschlossene und zärtliche Mutter” der Kongregation der Schwestern von der Schmerzhaften Mutter. Ihr fieberhaftes Rennen schien unaufhaltbar, von einem Teil der Welt zum anderen. Innerlich verbunden mit dem Kreuz mit der Schmerzhaften Mutter, wahrhaft kontemplativ, und gleichzeitig immer unterwegs, reiste sie von einer Niederlassung zum anderen, um die Werke der Nächstenliebe zu besuchen und zu beaufsichtigen, zu fördern und zu gestalten. Sie schien sich zu verzehren, ohne jemals zu verblassen: ein großes Geheimnis, das sich allen realistischen Vorhersagen entzog und die konkren Möglichkeiten bei weitem überstieg. Und doch war noch nicht alles vollbracht. Um das Herz dieser heiligen Frau mit Feuer zu prüfen und um die Güte von Gottes Werk zu testen, brauchte es eine Art Siegel, eine Garantie, wie sie selbst sagte. Und die Garantie ist die Verfolgung, das Leid, das Kreuz:

“Für mich gibt es keine bessere Garantie als die Verfolgung für ein Werk Gottes, zumal es das demütigste Werk ist und immer als solches erscheinen muss.
Je größer die Verfolgung ist, desto sicherer kann man sein, sagte ich, indem ich die jüngsten Ereignisse voraussagte: Je mehr Leid und Kreuz, desto besser werden die Grundlagen sein”.
“VERFOLGUNG, LEIDEN UND KREUZ”
Das Herz wurde geprüft und das Werk zu auf die Probe gestellt, so wie die Trauben gepresst werden und der Weizen gemahlen wird, und für Mutter Franziska war dies wie der Eintritt in die Schmiede einer erneuerten Treue zu Gott.
Es war das Jahr 1896. Die kämpferische Frau akzeptierte, zum wehrlosen und stillen Ziel einer heftigen Verfolgung zu werden. Fälschlich angeklagt und von der Leitung der Kongregation abgesetzt, ging sie fügsam ins Exil und wurde Tempel und Altar des letzten, äußersten Opfers, für Gott, für die Kirche, für die Ordensgemeinschaft, für die Armen, die sie liebte und wie kostbare Juwelen bewahrt hatte.
DER VON SCHMERZ GEBEUGTE BAUM
Der Baum ist vom Wind des Schmerzes und der Verfolgung gebeugt, die vielfarbige Schönheit des Lebens scheint auf den einzig möglichen Farbton reduziert: den kalten Ton der Einsamkeit. Aber seine Wurzeln sind tief. Es gibt kein Unglück, das den Glauben entwurzeln, die Hoffnung austrocknen, die Liebe zerstören könnte. Mit der Schmerzhaften Mutter tritt sie in die Einsamkeit “ihrer Stunde” ein und begegnet der Demütigung mit Würde, ohne sich jemals zu beklagen: “Lassen wir die Dinge, wie sie sind! Es ist in Ordnung, Gott hat es zugelassen”, wird sie lurz angebunden, um das Feuer Streitigkeiten zu löschen.

Jetzt, in den Jahren der Prüfung, versteht sie, dass es nichts mehr zu tun gibt, als das zu Ende zu bringen, was Gott begonnen hat. Und der Weg scheint vom Berg ihrer jugendlichen Vision bis zum Gipfel der reinsten Betrachtung vorgegeben zu sein. Immerwährende Anbetung und ständige Fürbitte werden der letzte, der entscheidende Dienst sein, den Mutter Franziska als brennende Lampe vor dem Tabernakel ausüben wird. Alleine, mit Gott allein. Aber immer noch unter den Armen und den Schwestern, um Fürbitte zu leisten. Demütig und versteckt. Betend und opfernd. Immernoch und immer MUTTER!
