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Oberin und Lehrerin

LEHRERIN IN NÖRDLINGEN

Nach ihrer Ordensprofess wurde Mutter Franziska nach Nördlingen in der Diözese Augsburg geschickt, um an der dortigen Schule, dem „Filialinstitut für Klosterfrauen“, zu unterrichten.

Aus den Chroniken der Nördlinger Schule wissen wir, dass 1868 drei Schwestern von Maria Stern und eine junge Frau in Ausbildung in diese Zweigniederlassung versetzt wurden. Mit ihnen war also auch Mutter Franziska, die zu Beginn der Schulaktivitäten eine bescheidene Gruppe von Schülerinnen willkommen hieß, deren Zahl jedoch rasch zunehmen würde. Das Ausbildungsprogramm umfasste auch technische Fächer, insbesondere das weibliche Kunsthandwerk, Fremdsprachenunterricht und Musik (Klavier, Zither und Gesang).

 

Indem sie bewies, dass sie über bemerkenswerte pädagogische Fähigkeiten und ausgezeichnete kulturelle und didaktische Fähigkeiten verfügte, trug Mutter Franziska wesentlich zur Entwicklung dieser Arbeit bei und sammelte Erfahrungen auf diesem Gebiet, die ihr in den folgenden Jahren, in denen sie Führungspositionen übernehmen musste, sehr nützlich sein würden.

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Einige Zeit später, im Schuljahr 1870-1871, ging sie nach Monheim und Wemding, beide in der Diözese Eichstätt, um die Mädchen der beiden Städte, etwa 30 km von Nördlingen entfernt, zu unterrichten.

„Erziehen, lehren, besonders in der christlichen Lehre, moralische Prinzipien vermitteln und auf ein anständiges, Gott wohlgefälliges Leben vorbereiten“ werden die Ziele sein, auf die Mutter Franziska all ihre Energie richten wird, besonders dort, wo Armut und Ausgrenzung ihr Herz zu einem glühenden Mitgefühl bewegen werden. 

OBERIN IN ALTOMÜNSTER

Im Oktober 1871 wurde Mutter Franziska, noch keine dreißig Jahre alt, zur Oberin des Hauses Altomünster in der Erzdiözese München ernannt. Hier widmete sie sich mit Hingabe der Leitung der Gemeinschaft und dem Unterricht an der Sprach- und Nähschule für Mädchen, denen sie privaten Musikunterricht gab.

Von einem starken und energischen Temperament beseelt, gab sie sich jedem mit Aufopferung und Kraft hin, auch wenn Kritik und Missverständnisse auf sie herabregneten.  Ihre Entscheidungen und ihre Maßnahmen waren, selbst in Widrigkeiten und Widersprüchen, ausschließlich von Offenheit und Rechtschaffenheit geprägt.

Am 10. Oktober 1871 schrieb ihre Generaloberin, Mutter Salesia Ellersdorfer, an Frau Streitel und sagte:

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“Die Würde einer Oberin zu akzeptieren, hat Ihre Tochter viele Tränen gekostet, doch der heilige Gehorsam gibt ihr Kraft und Mut, denn sie besitzt viele gute Tugenden, die ihr Gottes Segen sichern. Sie verfügt auch über gute praktische Kenntnisse in der Hauswirtschaft”.

LEITERIN DES WAISENHAUSES ELISABETHENHEIM IN WÜRZBURG

Nur sieben Monate später wurde Mutter Franziska  beauftragt, die Leitung des St. Elisabethen-Waisenhauses in Würzburg zu übernehmen: ein größeres Betätigungsfeld, mit noch drängenderen pädagogischen Herausforderungen.

Es war nicht leicht, aber sie bemühte sich, die Last der wachsenden Verantwortung zu tragen, indem sie alle Energie für die ordnungsgemäße Leitung des Waisenhauses und der Gemeinschaft aufwandt. „Ihr guter Geist und ihr edles Beispiel leben immer noch unter uns“, sagte fünfzig Jahre später eine Schwester aus dem Elisabethenheim, die ihr in diesen Jahren nahe gestanden hatte.

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Würzburg - Wallfahrtsort Käppele

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Würzburg - Wallfahrtsort Käppele

Es ist nicht überraschend, dass in dieser Zeit ein innerer Kampf begann, den Mutter Franziska selbst in einem Brief vom September 1881 an den Bischof von Augsburg:

 

“In den ersten Jahren war ich eine eifrige, nach strengen Grundsätzen handelnde Ordensfrau, wurde aber lauer und passte mich jenen an, die es nicht so genau mt Regeln und Ordensvorschriften hielten.

Dadurch kam manch ungeordnete Neigung zur Geltung, und ich ließ mich davon beherrschen, bis es Gott gefiel, mich vor etwa vier Jahren in eine tödliche Krankheit fallen zu lassen. Da erkannte ich meine Verirrungen und bat Gott um Verlängerung meines Leben. Ich rang einen schweren Kampf mit meiner Eigenliebe, mit meinen verkehrten Neigungen und mit meinen Launen.

Eine gute Beichte bei einem Kapuzinerpater brachte mir viel Licht...“.

Die Mitschwestern teilten jedoch nicht immer ihren erneuerten religiösen Geist und ihre aszetischen Weisungen. Sie warfen ihr vor, die Regeln erneuern zu wollen und ein ruheloser Geist zu sein. In Wirklichkeit verspürte die junge Schwester einen immer stärkeren Wunsch, das Evangelium sine glossa und die ursprüngliche Strenge der franziskanischen Regel zu leben.

Also ging sie, sooft sie konnte, zum Wallfahrtsort des Käppele zur die Schmerzhaften Mutter hinauf und legtedort jede Angst und jedes brennende Sehnen nieder:

 

„Der Herr führte mich durch einen Strom von Leiden...

Da erfuhr ich, was es heißt,

mit blutendem Herzen unter dem Kreuz zu stehen“.

DIREKTORIN DER MARIANISCHEN ANSTALT

Im April 1880 musste sich Mutter Franziska erneut im Gehorsam üben: die Leitung der Marienanstalt in Würzburg übernehmen. Das Werk brauchte eine Leiterin, die die Lage des Instituts in die Hand nehmen und Ordnung und Disziplin zurückbringen würde. „Der Gehorsam  zwingt mich dazu“, würde sie sagen, und wieder einmal stürzte sie sich kopfüber in den neuen Erziehungsnotstand: zum einen benötigten siebzig Waisenkinder pflichtbewusste und großzügige Führung zum anderen mussten die evangelische Authentizität und der religiöse Eifer der e Gemeinschaft erneuert werden.

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“Wenn wir im Gehorsam in den Missionen in der Krankenpflege oder Erziehung der Kinder dienen, wo immer sie sich befinden, folgen wir diesem Ruf mit Freude“.
Mutter Franziska Streitel

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