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Kindheit und Jugend

DER DOMINIERENDE CHARAKTERZUG: NÄCHSTENLIEBE FÜR DIE ARMEN

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Aus den Zeugenaussagen des  regulären Nepesiner Prozesses über die ehrenhaften Tugenden von Mutter Franziska ziehen wir einige wertvolle Informationen. Schwester Johanna Ankenbrand, die ihre Nachfolge als Generaloberin an der Spitze der Kongregation der Schwestern von der Schmerzhaften Mutter antreten wird, erklärt:

„Ich habe die Dienerin Gottes persönlich gekannt ... Viele Dinge habe ich von Hedwig, der Schwester der Dienerin Gottes, erfahren, von Schwester Scholastika, Schwester Katharina, Schwester Stanislaa, die jetzt alle verstorben sind und Augenzeugen waren.

Die Dienerin Gottes erhielt christliche Erziehung von ihren Eltern und besonders von ihrer Mutter, die sich auch darum kümmerte, ihr die Liebe zu den Armen zu vermitteln, bis hin zum Teilen der Süßigkeiten vom Tisch der Familie. Dieser Erziehung, insbesondere was die Nächstenliebe gegenüber den Armen betrifft, folgte sie genau, indem sie sich besonders um die ärmeren Mieter kümmerte, die in den oberen Stockwerken desselben Gebäudes wohnten.“

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LEBHAFT, GEHORSAM UND RESPEKTVOLL

 

Sie hatte einen sehr lebhaften Charakter. Sie war respektvoll, ihren Eltern und Lehrern gegenüber gehorsam, sehr unterwürfig, nie aufsässig, in völligem Einvernehmen mit ihren Brüdern, ihrer Schwestern und Altersgenossen, die sie alle liebten und sich gerne mit ihr zusammen waren.

Angesichts ihres lebhaften Charakters war sie ein wenig ungestüm, aber sie nahm sich sofort zurück und entschuldigte sich. Schon als Kind gab sie Zeichen tiefer Frömmigkeit; sie folgte bereitwillig und mit großer Hingabe der Heiligen Messe und war sehr großzügig den Armen gegenüber.

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„EINE KLEINE BESCHAULICHE“

 

Von klein auf lernte sie gerne den Katechismus, und brachte ihn ihren Gefährtinnen bei, mit dem Wunsch, ihnen sofort sofort das weiterzugeben, was sie mit Freude erlernt hatte.

Was das Gebet betraf, so hatte sie von klein auf ... eine zärtliche Hingabe an das Jesuskind; als sie älter wurde, richtete sie ihre Frömmigkeit auf das Leiden unseres Herrn. 

Schon in jungen Jahren liebte sie die „Zurückgezogenheit“, und zog es vor, mit ihrer Schwester zu Hause zu bleiben, anstatt sich mit den Gefährtinnen zu vergnügen. Sie liebte die innere Kasteiung, aber mir ist nicht bekannt,dass sie auch außergewöhnliche äußere Kasteiungen vorgenommen habe. Ich weiß, dass die Frauen der Nachbarschaft sich ihren Gebeten anvertrauten und um sie um manchen Rat und geistlichen Trost baten; und ich bestätige, was ich oben sagte, dass sie Werke der Nächstenliebe verrichtete, insbesondere unter bedürftigen Nachbarn, und z.B. Früchte und Süßigkeiten verteilte, die sie sich selbst vorenthielt.

Schwester Maria Ignatia Schindler, die ebenfalls Zeugin des Nepesiner Prozesses war, weist darauf hin: „Hedwig (die Schwester von Mutter Franziska), die ich traf, erzählte mir, dass sie schon als Kind immer viel mit den Armen zu tun hatte“.

Und Schwester Maria Seraphina Eberth: „Ich hörte von ihrer Schwester Hedwig, dass die Dienerin Gottes schon von Kind an sehr fromm war. Wie ich wiederum von Schwester Hedwig weiß, die jünger war als die Dienerin Gottes, hat diese sie schon als Kind zur Hingabe, angeregt und sie gelehrt, Gutes zu tun“.

UNTERSUCHTE DAS GEHEIMNIS

 

P. Aquilino Reichert, der die erste offizielle Biografie von Mutter Franziska herausgegeben hat, gibt uns weitere wertvolle Informationen über ihre Kindheit. Wir stellen sie unter Stichpunkten zusammen, denn sie zeigen gut die vorzeitige Reife dieses kleinen Mädchens, das von seiner Familie dazu erzogen wurde, Gott zu suchen und ihm allem zu gefallen: “Sie wurde wie andere Kinder erzogen... sie war von frühester Kindheit an Ordnung und Pünktlichkeit gewöhnt und daran, das Spiel zu unterbrechen, sobald ihre Mutter es verlangte.

Sie lernte von Kindheit an die kleinen Hausarbeiten und kam zu einer gewissen Geschicklichkeit in der Stickerei. Im Alter von zwei Jahren lernte sie, das Kreuzzeichen zu machen und die Kindergebete als Gedichte  zu wiederholen, und erwarb die sanften Manieren, die sie für den Rest ihres Lebens auszeichnen würden.

Bereits im Alter von neun Jahren bemühte sie sich, die geheimnisvolle Bedeutung des Wortes Christi zu ergründen: “Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen”. (Johannes 12,32)”.

Wir kennen den Tag nicht, an dem sie zum ersten Mal beichtete. Es ist jedoch bekannt, dass sie in einem Geist der Liebe und Buße kleine Holzstücke in ihr Bett legte, um am Leiden Christi teilzuhaben.

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“VOM EUCHARISTISCHEN GOTT” ANGEZOGEN

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Bekannt ist hingegen ist der Tag ihrer Erstkommunion: der Weiße Sonntag 1857, der in jenem Jahr auf den 19. April fiel. “Von da an” -  betonte P. Reichert - “hatte sie nur noch eine große Freude: den eucharistischen Heiland immer wieder zu empfangen, um von diesem himmlischen Brot genährt und gestärkt zu werden”.

Tatsächlich schrieb Mutter Franziska, nachdem sie die geistliche Reife erreicht hatte: “Immer wieder wendet sich mein Geist dem Tabernakel zu”. Und in den Normen von 1883 gab sie der im Entstehen begriffenen Ordensgemeinschaft eine klare und radikale Vorgabe: “Wir müssen uns von einer glühenden Liebe zum eucharistischen Gott verzehren lassen” (Normen, 1883).

Mit der Eucharistie, eine tiefe Verehrung der Schmerzhaften Mutter, bis hin zu dem Wunsch, dass später jede Schwester der Kongregation sich mit Eifer verpflichte, “die Wege der Schmerzhaften Mutter zu erkennen und zu lieben”.

Am 24. September 1857 erhielt Mutter Franziska in Gersfeld die Firmung und zeigte damit, dass sie entschlossen war, um jeden Preis Zeugnis für Christus abzulegen und “ein wahrer Tempel Gottes” zu werden”.

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EINEN HIMMEL SCHAFFE DIR DEIN HERZ

Der Wunsch der kleinen Amalia an ihren Vater

Liebster Vater,
einer der wichtigsten und festlichsten Tage für unsere Familie ist heute für uns angebrochen: Wir feiern deinen Namenstag, und ich habe schon längst mit den frohesten Empfindungen diesem Tag entgegegn geharrt. Mit inniger Andacht will ich heute den lieben Vater im Himmel bitten, dass er Dich mir noch viele, viele Jahre gesund, zufrieden und glücklich erhalten wolle. Mein ganzes Streben soll dahin gerichtet sein,  so viel zu lernen und mich so gut zu betragen, dass Du immerhin mit mir zufrieden sei kannst.
 
Immer froh und glücklich sei Dein Leben.
Ohne Gram und Leid und ohne Schmerz;
Sieh´ mit Lust den Tag vorüberschweben!
Einen Himmel schaffe Dir Dein Herz!
Pein und Sorge soll hinfort Dich meiden!
Hochbeglückt sei stets durch hehre Freuden!
 
Mit kindlicher Liebe und Verehrung
Deine gehorsamste Tochter
Amalia Streitel
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Mellrichstadt, 24.12.1855

© 2020 SCHWESTERN VON DER SCHMERZHAFTEN MUTTER

des Regulierten Dritten Ordens des hl. Franz von Assisi

GENERALARCHIV - ROM

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