„Im stillen Tabernakel in St. Gangolf wollen wir uns begegnen und dort vereint unserer sakramentalen Liebe, unserem Gott und Alles, Anbetung und Huldigung darbringen“
Mutter Franziska Streitel
Der Vater
ADAM
„MEIN GELIEBTER VATER“
Adam Streitel wurde am 12. November 1808 in Kallmünz in der Oberpfalz geboren. Obwohl die Vorfahren der Familie Streitel seit fünf Generationen Förster in Bayern waren, eröffneten sich für Adam neue Horizonte. Er besuchte zunächst das Gymnasium in Amberg in der Oberpfalz, dann das Gymnasium in Neuburg an der Donau und schloss schließlich sein Jurastudium an der Universität München ab. Danach entschied er sich für eine Karriere in der Justiz und absolvierte sein Praktikum am Landgericht in Ingolstadt und Amberg.




EHRLICHER UND UMSICHTIGER MANN
Der junge Adam war ein ehrlicher und umsichtiger Mann. Von edlen Gefühlen beseelt, übte er seinen Beruf mit Eifer aus und bekundete offen seine religiösen Grundsätze: ein Zeugnis, das in jenen Tagen großen Mut erforderte.
Vergessen wir nicht, dass in in dieser Phase der Geschichte die Scherben der Wirren der Säkularisierung von 1803 zusammengetragen wurden, vergleichbar mit dem, was in Frankreich nach der Französischen Revolution geschah, mit Beschlagnahmung des kirchlichen Eigentums und Schließung der meisten katholischen Universitäten. Hunderte von Abteien und viele katholische Stiftungen schlossen ihre Tore, und ihr Besitz ging in die Hände weltlicher Regierungen über. Und es war gerade das katholische Bayern, das die Säkularisierung der Klöster anstieß, während sich der Liberalismus wie ein Lauffeuer verbreitete, vor allem unter gebildeten Menschen.
EINE VOM VOLK GESCHÄTZTE FAMILIE
In den Zeugnissen für den Seligsprechungsprozess von Mutter Franziska lesen wir: „Herr und Frau Streitel waren katholischen Glaubens, sie lebten ihn bis hin zum täglichen Besuchen der Sechs-Uhr-Messe, hatten ausgezeichnetes Benehmen und genossen hohes Ansehen im Volk“ (Mutter Johanna Ankenbrand). Es handelt sich um eine Notiz, die den Gegensatz deutlich macht zu jener Klasse von Beamten, von denen einige auch katholisch waren, die aber die liberalen Ideen angenommen hatten.
Am 13. Februar 1844 heiratete Adam Streitel Franziska Hörhammer und wurde im selben Jahr zum Rat des Landgerichts Mellrichstadt befördert. 1857 wurde er zum Richter am Landgericht Weyhers in der Rhön ernannt, aber nur fünf Jahre später, 1862, kehrte er als Bezirksamtmann nach Mellrichstadt zurück.
Im Alter von 65 Jahren - im Jahr 1873 - nachdem der seinen Beruf bestmöglich ausgeübt hatte, ging er in den Ruhestand und zog mit seiner Familie nach Bamberg. Hier feierten er und seine Frau am 13. Februar 1894 ihre goldene Hochzeit. Mutter Franziska war bei der Feier nicht anwesend sein, aber sie war mit ihnen durch einen Brief verbunden: „Betet für mich, liebe Eltern, am Tag eures Jubiläums, für unsere Kongregation, denn auch ihr seid vor Gott Teil davon...“.
Mutter Franziska schreibt
an ihren Vater
„Wir wandeln in einem gebrechlichen Leib...“
In einem Brief vom 13. November 1886 schrieb Mutter Franziska während sie über den schlechten Gesundheitszustand ihres Vaters nachdachte, , fast so, als wolle sie das Leiden als Herausforderung als eine Herausforderung bezeichnen, um im Glauben zu wachsen:
“Kleine Fingerzeige, dass wir im gebrechlichen Leibe wandern, sind vortreffliche Leitsterne zu Gott als unserem ewigen und einzigen Ziele, und wir vergessen hierdurch weniger darauf, dass wir einst dieses Jammertal verlassen müssen, um Besitz zu nehmen vom ewigen Erbe. Es ist alles nur ein Vorübergang, und wohl uns, wenn es ein guter gewesen ist“.

EIN GUTER VATER
Bald darauf werden die Einschränkungen des Alters und schlechter n Gesundheitszustandes zu einem unaufhaltsamen körperlichen Verfall des alten Vaters führen. Rückblickend auf viele Jahre und viel Zuneigung, erschöpft von schweren körperlichen Leiden, feierte der alte Magistrat Streitel diesen „ Übergang“ am 9. Juni 1894, im Alter von fast 86 Jahren. Seine Tochter Franziska, die mit ihren Brüdern um den Sarg versammelt hatte, war bei seiner Beerdigung anwesend und wiederholte sicherlich in ihrem Herzen das, was sie bereits in einem Brief mit guten Wünschen zum Ausdruck gebracht hatte: „Ich danke Dir für die Opfer und für die Liebe, die Du mir geschenkt hast.“ Und am feierlichen Scheideweg des Todes ihres Vaters hielt innehaltend schrieb sie:
„Ich habe noch nie zuvor einen Toten gesehen, der einen so tiefen Frieden zum Ausdruck gebracht hat, wie mein geliebter Vater. Diejenigen, die ihn sahen, glaubten, dass er schlief; jeder war durch seinen heiligen Tod erbaut. Der Schmerz meiner alten Mutter, die jetzt 76 Jahre alt ist, ist tief, ebenso wie der meiner Brüder, die nur schwer verstehen können, dass sie einen so guten Vater verloren haben. Morgen findet die Beerdigung und am Dienstag die Totenmesse statt.“
Von Loslassen und Verlust gezeichnet, wird Mutter Franziska zeitlebens eine lebendige Erinnerung an die väterliche Liebe bewahren, wie sie selbst schreibt: „Oft ist er mir in traurigen Momenten sehr nahe, er hilft mir und tröstet mich, so dass ich ihm aus Dankbarkeit Gebete und Opfer darbringe“.


Ein Gebetsbrief von Adam Streitel an seine Tochter Franziska vom Kreuz
Gott kröne Deinen Eifer für die leidende Menschheit mit den schönsten Früchten
20. Dezember 1892

