
“Die Heilige ist tot”
„NOCH IM HOHEN ALTER WERDEN SIE FRUCHT TRAGEN, IMMER SIND SIE KRAFTVOLL UND FRISCH“ (Psalm 92,15)
Nachdem sie von ihrem Amt als Generaloberin der Kongregation entbunden worden war - eine ungerechtfertigte Absetzung, sagten die Berater des Seligsprechungsprozesses - lebte Mutter Franziska neun Jahre lang im Mutterhaus in Rom und setzte damit einen klaren Zeichen für Gehorsam und Demut. Sie intensivierte ihr Innenleben und verband es, auf bewundernswerte Weise mit konstantem und schonungslosem Dienst, um den Schwestern zu helfen, den Kindern und der Bevölkerung zu dienen, wie viele de visu- Zeugen (Augenzeugen) bestätigten. Während sie mit einzigartiger Zurückhaltung im Schatten blieb - jetzt erst recht! – “übte sie eine unwiderstehliche Faszination aus ... sie berührte die Seelen und gewann sie für das Evangelium”.
Am 2. Juli 1905 wurde sie nach Castel Sant'Elia versetzt, einem kleinen Dorf etwa 50 km nördlich von Rom. Obwohl sie die Last der Jahre und die Erschöpfung einer schwachen Gesundheit spürte, kümmerte sie sich weiterhin um die jüngsten, ärmsten und kränksten Kinder. Die Menschen, die, wie Papst Franziskus sagt, ein Gespür für Gotte und die Heiligen haben, erkannten in ihr die Zeichen der barmherzigen Nächstenliebe gemäß des Evangeliums. Sie sahen, wie sie sich täglich den Bedürfnissen aller zuwandte, und gleichzeitig spürten sie, dass sie ganz in Gott verwurzelt war. Bald verlautete es im Volk: “Seht die Heilige!”.
SOGAR IM TOD SCHIEN SIE DIE FARBEN DES LEBENS ZU TRAGEN
1911 forderte Mutter Franziskas Körper, geschwächt durch jahrelange Belastungen und Opfer, einen schweren Tribut. Am Vorabend von Maria Lichtmess, am 1. Februar, traten die ersten Symptome eines Schlaganfalls auf, der eine Lähmung verursachte und sie nach 33 Tagen schweren Leidens, welches sie in vorbildlicher, ja heldenhafter Weise durchlebte, ins Grab brachte. Am 27. Februar erhielt sie die Krankensalbung und am 28. Februar die Sterbesakramente.
Sie starb am 6. März 1911, während die Gemeinschaft in der Kapelle versammelt war und Monsignore G. Jacquemin die heilige Messe feierte. Mutter Franziska hatte ein strahlendes Gesicht: “Sogar im Tod schien sie die Farben des Lebens zu tragen”. Die heilige Messe zur Beerdigung am 8. März wurde vom Bischof von Nepi, Mons. Doebbing OFM, zelebriert, der Worte von großer Wertschätzung für die Dienerin Gottes fand. Alle Menschen der Stadt waren anwesend und sagten bewegt: “Die Heilige ist gestorben”. Nach der Totenmesse wurde der Sarg durch die ergriffene und jubelnde Menge durch die Straßen der Stadt zum Friedhof getragen.
“Auf Wiedersehen, Mutter Franziska,
auf Wiedersehen;
Wenn ich in Verzückung den Sonnenuntergang bewundern werde,
werde ich in der sterbenden Sonne
das Bild Deines Lebens erkennen;
während es kurz zuvor
zu sanften Visionen, die die Seele erfreuen, lächelte,
verschwand es plötzlich einfach
genau wie beim Aufkommen der
Dunkelheit, die Sonne sich verhüllt
mit ihren rosaroten durchsichtigen Wolken
die sie umgaben.”
(Bianca Camilloni)
Castel Sant'Elia, 8. März 1911

