
„Möge die Gnade meinem Schreiben ein wenig ihr Licht geben!“
(Mutter Franziska Streitel)
ADRESSAT DER BRIEFE
P. Jordan
Johannes Jordan wurde am 16. Juni 1848 in Gurtweil, Baden, Deutschland, von den Eheleuten Lorenz und Notburga Peter geboren. Sein Vater starb im Alter von 44 Jahren, als Johannes gerade 15 Jahre alt war. Obwohl er begabt war, zeigte er kein Interesse am Studium. Er liebte das Zeichnen und arbeitete mehrere Jahre als Maler und Dekorateur. Im Alter von zwanzig Jahren beschloss er, Priester zu werden und nahm Privatunterricht bei einem Kaplan. Nach dem Abschluss des Gymnasiums in Konstanz studierte er an der Universität Freiburg und wurde am 21. Juli 1878 zum Priester geweiht. Wegen des „Kulturkampfes“ konnte er seinen Dienst nicht aufnehmen und entschied sich deshalb, sein Studium im Ausland fortzusetzen. Er kam im Oktober 1878 in Rom an und lebte beim Campo Santo Teutonico. Er studierte mit besonderem Erfolg orientalische Sprachen am Ateneo Sant'Apollinare. Im Jahr 1880 unternahm er eine Reise in den Vorderen Orient und verbrachte sechs Monate in Jerusalem.
Nach seiner Rückkehr nach Rom wurde er in Privataudienz von Papst Leo XIII. empfangen, dem er seine Absicht erklärte, ein Werk zur Verbreitung der christlichen Lehre zu gründen, ein Ziel, das er bereits vor seiner Priesterweihe verfolgt hatte. So geschah es. Am 8. Dezember 1881 wurde die Stiftung mit dem Namen „Società Apostolica Istruttiva“ (Apostolische Lehrgesellschaft) gegründet, und viele Priester verpflichteten sich mit privaten Gelübden, die Satzung von Pater Jordan zu beachten. Die Vorhaben des Instituts wurden durch die Zeitschrift „Il Missionario“ (Der Missionar) verbreitet.
Nach einem Jahr erhielt die Stiftung auf Anordnung des Heiligen Stuhls den Namen: „Società Cattolica Istruttiva“ (Katholische Lehrgesellschaft) und wurde am 1. März 1883 eine Ordensgemeinschaft. P. Jordan legte seine Gelübde in die Händen seines Beichtvaters, P. Ludwig Steiner OFM Conv. ab und erhielt den Namen Franziskus Maria vom Kreuz.
Von Anfang an hatte P. Jordan auch die Absicht, ein Fraueninstitut zu gründen, und nach mehreren Versuchen beauftragte er seinen Mitarbeiter P. Bernhard Lüthen, sich in München mit Fräulein Thekla Bayer und Amalia Streitel zu treffen, letztere auf Empfehlung von P. Cyprian Reichenlechner OCD. Wegen einer Krankheit von Thekla Bayer reiste nur Amalia Streitel nach Rom und traf am 16. Februar 1883 mit P. Jordan zusammen. Nach einer Phase des Kennenlernens und der Zusammenarbeit erkannte P. Jordan, dass Amalia Streitel nicht die richtige Person war, um seine Pläne zu verwirklichen; er plante, sie durch Baronin von Wüllenweber zu ersetzen, die die Gründerin des weiblichen Zweiges der „Katholischen Lehrgesellschaft“ werden sollte. Die Schwierigkeiten zwischen ihm und Amalia Streitel vergrößerten sich aufgrund der unterschiedlichen Ideale und der unterschiedlichen Weise, sie zu verwirklichen, so dass Kardinalvikar Lucido Maria Parocchi am 17. September 1885 P. Jordan aufforderte, die Betreuung der von Amalia Streitel geführten Schwestern einzustellen. Sieben Jahre nach dem männlichen Zweig, im Jahr 1888, gründete P. Jordan in Tivoli bei Rom den weiblichen Zweig der „Katholischen Lehrgesellschaft“ und vertraute ihre Leitung Therese von Wüllenweber, genannt Mutter Maria von den Aposteln, an. Die beiden von P. Jordan gegründeten Zweige etablierten sich schnell und nahmen 1893 die Namen „Gesellschaft des Göttlichen Erlösers“ bzw. „Kongregation der Schwestern vom Göttlichen Erlöser“ an, gewöhnlich bezeichnet als Salvatorianer und Salvatorianerinnen. Der Erste Weltkrieg zwang P. Jordan ins Exil, und er starb am 8. September 1918 im Altenheim für Arme von Tafers in Freiburg in der Schweiz. Bei seinem Tod war die Stiftung in dreizehn Ländern Europas, Asiens, Nord- und Lateinamerikas verbreitet.
Pater Jordan wurde am 15. Mai 2021 von Papst Franziskus selig gesprochen.
